EGFR-Mutation (incl. Therascreen)

Indikation

EGFR, der Epidermal Growth Factor Receptor, der zur Familie der EGF-Wachstumsfaktorrezeptoren gehört, entspricht dem HER1 Rezeptor (ErbB-1) und ist wesentlich in die Steuerung von Zellwachstum und programmiertem Zelltod einbezogen. Damit ist er bei verschiedenen Tumoren von herausragender Bedeutung für die Tumorgenese und Wachstumssteuerung.

Der EGFR ist ein 170 kDa membrangebundenes Protein aus 1186 Aminosäuren welches in 28 Exonen, entsprechend 190.000 Nukleotiden, kodiert wird. Die EGFR-Signalkaskade verläuft im Wesentlichen über zwei Hautwege: zum einen den RAS-RAF-MAP-Kinase-Weg, zum anderen den PIK3-Weg.

Das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom (NSCLC) hat eine Inzidenz 40/100.000 pro Jahr und wird wiederum in 3 Typen eingeteilt: Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom und großzelliges Karzinom.

Adenokarzinom (TTF1-Immunhistochemie – rechte Bildhälfte) mit einer Exon 21-Mutation

Die klassische Therapie basiert auf dem Staging und der histopathologischen Klassifikation des Tumors. In frühen Stadien sind Operation, Bestrahlung und Chemotherapie Partner einer multimodalen Therapie.

Bei fortgeschrittenen Tumoren im Stadium IIIB und IV bieten sich neue Chancen durch zielgerichtete Therapien, wie blockierende Antikörper gegen transmembranöse Tyrosinkinase-Rezeptoren (TKI-R) oder kleine Moleküle, die in Tumorzellen eindringen und dort entsprechende Signalwege blockieren. Zu letztgenannten Molekülen gehören Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI), die EGF-Rezeptor-vermittelte Signalkaskaden blockieren. Es hat sich gezeigt, dass aktivierende Mutationen im EGF-Rezeptor-Gen mit der Wirksamkeit von Tyrosinkinaseinhibitoren korrelieren. Diese Mutationen sind allerdings nur bei 5-20% der nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome (NSCLC) vorhanden. Ca. 75% der NSCLC-Tumoren mit EGFR-Mutation sprechen auf Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) an. Die Häufigkeit einer primären Resistenz gegen EGFR-TKI beträgt somit mehr als 80%. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass unselektierte Patientenkollektive keinen Vorteil von einer Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren haben.

Spezifische Mutationen in der Tyrosinkinase und der ATP-bindenden Domäne des EGFR-Gens sind Voraussetzungen für die Wirksamkeit einer Tyrosinkinaseinhibitor-Therapie. Nach erfolgreichem Durchlaufen eines europäischen Zulassungsverfahrens steht IRESSA® seit Juli 2009 für die Therapie des fortgeschrittenen NSCLC mit gesicherter EGFR-Mutation zur Verfügung. Über 90% der EGFR-Gen-Mutationen betreffen einen kleinen Abschnitt des EGFR-Gens der Exone 18 bis 21, wobei die häufigsten Mutationen Exon 19 (Deletion ohne Rasterverschiebung, Kodons 746 bis 750) und Exon 21 (Punktmutation L858R, Substitution Leucin zu Arginin in Kodon 858) betreffen.

Lokalisation der klinisch bedeutsamsten EGFR-Mutationen

Testmaterial

formalinfixiertes, paraffineingebettetes Material (FFPE)

Bronchial-Lavage (mit ausreichend hoher Tumorzellzahl)

 

Untersuchungsverfahren

Die EGFR-Sequenzanalyse erfordert einen hohen Reinheitsgrad an Tumor-DNA. Aus diesem Grund wird das Tumorgewebe manuell aus entparaffinierten Gewebeschnitten disseziert. Nach der Isolierung genomischer Tumor-DNA wurden die für die Exone 18, 19, 20 und 21 spezifischen Sequenzabschnitte mittels PCR amplifiziert. Die daraus resultierenden PCR-Produkte (ca. 350-370 bp) werden aufgereinigt und bidirektional anhand der Didesoxymethode nach Sanger  sequenziert.

Die Sequenzdaten wurden mit den Angaben aus der NCBI-Datenbank (ID# NM_005228.3 (= Wildtyp-Sequenz) abgeglichen.

Mutation L858R in Exon 21 des EGFR-Gens

Bearbeitungsdauer

ca. 2 (3) Arbeitstage

Typische Probleme

  • geringe Menge an Ausgangsmaterial
  • starke entzündliche Überlagerung, Nekrose oder ungünstiges Tumorzell/Stroma-Verhältnis
  • DNA-Degradation aufgrund schlechter (später) Fixation oder Verwendung von ungepuffertem Formalin