HNPCC-PCR

Indikation

Bei dem HNPCC-(hereditary, non-polyposis colorectal cancer), auch Lynch-Syndrom genannt, kommt es zu einer familiären Häufung von Tumorerkrankungen (insbesondere Kolonkarzinome), die auf Mutationen in Genen des DNA-Reparatursystems basieren. Der damit verbundene Ausfall der betreffenden DNA-Reparaturenzyme hat eine Anhäufung von Replikationsfehlern zur Folge, die sich im Tumor als Mikrosatelliteninstabilität manifestieren.

Desweiteren spielt die Mikrosatelliteninstabilität auch beim Grading kolorektaler Adenokarzinome eine Rolle, da Mikrosatelliten (MSI)-stabile Tumoren eine schlechtere Prognose aufweisen, erfolgt bei muzinösen und siegelringzelligen Adenokarzinomen ein Grading G2 bei MSI-instabilen Tumoren, während bei MSI-stabilen Tumoren ein Grading G3 vorgenommen werden soll.

Untersuchungsverfahren

Die HNPCC-Diagnostik beruht auf zwei Teilen. Einerseits dem Nachweis der Mikrosatelliteninstabilität und andererseits der humangenetischen Untersuchung/Anamnese/Abklärung. Erst nach vollständiger Diagnostik kann eine Einordnung hinsichtlich des Vorliegens eines HNPCC-Syndroms erfolgen.

Die molekulare HNPCC/MSI-Diagnostik setzt sich aus zwei Teiluntersuchungen zusammen.

Zunächst wird eine immunhistochemische Untersuchung der Mismatch-Repair-(MMR-)Gene (MLH1, MSH2, MSH6, PMS2) durchgeführt, um anhand der fehlenden Anfärbbarkeit der Zellkerne einen Expressionsverlust dieser DNA-Reparaturenzyme nachzuweisen.

Normale nukleäre MSH2/MSH6/MLH1 und PMS2-Expression in Tumorgewebe eines Rektumkarzinoms

Colonkarzinom-Immunhistochemie zur Mikrosatelliteninstabilitätsdiagnostik: Datektion von 4 Reparaturenzymen mittels Immunhistochemie

Bei fehlender Expression eines der Reparaturenzyme wird eine Multiplex-PCR-Reaktion von sieben verschiedenen Mikrosatelliten-Markern Mikrosatellitenmarker (BAT-25, BAT-26, NR-21, NR-24, MONO-27, Penta C, Penta D) durch Vergleich von Tumor- und Normalgewebe des Patienten durchgeführt.
Anhand eines Fragmentlängenanalyse-Systems (ABI 3500) werden die Amplifikate aus Tumor- und Normalgewebe verglichen. Mikrosatellitenmarker, die im Tumormaterial gegenüber dem Normalgewebe zusätzliche Fragmentlängen aufweisen gelten als instabil. Proben, in denen mehr als 40% der Marker verändert sind werden als hochgradig Mikrosatelliten-instabil (MSI high) eingestuft.

Fragmentanalyse - Normalgewebe

Simultane Amplifikation von 7 Mikrosatelliten-Markern in DNA aus normaler Kolonschleimhaut (oben) und Tumorgewebe (unten) eines Patienten.

Deutlich zu erkennen sind die Fragmentlängen-Variationen im Tumorgewebe aufgrund einer Dysfunktion der DNA-Reparaturenzyme.

Es handelt sich hier um einen Mikrosatelliten-instabilen Tumor.

Testmaterial

Immunhistochemie Repairenzyme: Formalinfixiertes, paraffineingebettetes Tumorgewebe.

Mikrosatelliten-PCR: Formalinfixiertes, paraffineingebettetes Tumorgewebe und Normalgewebe des Patienten; Einverständniserklärung des Patienten.
Patienteneinwilligung muss schriftlich vorliegen!

Bearbeitungsdauer

ca. 4-5 Tage

Typische Probleme

DNA-Degradation bei schlechter Fixierung