Mammakarzinom-Diagnostik

Alle modernen Therapiestrategien des Mammakarzinoms basieren auf einer exakten morphologischen Diagnostik des Tumors. Neben den klassischen Prognosefaktoren wie Staging und Grading spielen beim Mammakarzinom verschiedene immunhistochemisch oder molekularbiologisch detektierbare Faktoren eine entscheidende Rolle bei der individuellen Entscheidung zur Therapiestrategie.

Einer der ersten Faktoren zur Abschätzung des individuellen Risikos und gleichfalls Target der biologischen Therapie des Mammakarzinoms stellt die Expression des epidermalen Wachstumsfaktors HER2 an der Oberfläche der Tumorzellen dar. Bei Patienten mit einer schwachen Expression kann eine definitive Therapieentscheidung jedoch erst nach molekularer Expressionsanalyse mittels HER2-Fluorescenz-in situ-Hybridisierung (FISH) getroffen werden.

Zusätzlich kann eine Prognoseeinschätzung beim Mammakarzinom durch die Analyse der Progressionsfaktoren uPA und PAI-1 mittels ELISA erfolgen (Zürich Consensus: Statement of German Experts on St. Gallen Conference 2011 on Breast Cancer (Zürich 2011)).

Gemäß den St. Gallen-Empfehlungen von 2011 werden molekulare Testsysteme zur Risikostratifizierung beim Mammakarzinom empfohlen, insbesondere bei einem konventionell intermediären Risiko sind sie eine Hilfe bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie. Validierte Testsysteme stellen in diesem Zusammenhang der EndoPredict- oder der Oncotype DX-Test dar. Seitens der AGO erfolgt seit 2013 die Bewertung der molekularen Testsysteme mit dem Level of Evidence 1b. Damit können trotz derzeit noch fehlender prospektiv-randomisierter Daten (z.B. Tailor X und Plan B-Studie) auf Basis der vorhandenen Daten diese Testsysteme im schwierigen Einzelfall zur Therapieentscheidung eingesetzt werden.

Somit stellen die molekularen Methoden derzeit einen essentiellen Baustein bei der Risikoabschätzung und Therapieplanung des Mammakarzinoms dar.